Risikomanagement im Gleitschirmsport

Der Faktor Mensch

falls_flightsNicht etwa das hochentwickelte Material, sondern der Mensch ist der wesentlichste Faktor, der zur erfolgreichen, langfristig unfallfreien Pilotenkarriere beiträgt. Emotionale, soziale und kognitive Fähigkeiten sind Eckpfeiler für Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Entscheidungsfindung und schliesslich deren Umsetzung. Fliegen fördert diese grundlegenden physiologischen und psychologischen Punkte enorm, was zum intensiven Hochgefühl beim Fliegen beiträgt.

Sei es nun Autofahren, Skifahren oder Gleitschirmfliegen, man schult sein dynamisches Denkvermögen, um nicht schlussendlich einem "Sensory Overload" zu erliegen. Dies erreicht man in erster Linie durch schlüssiges Denken, aufgrund verarbeiteter Erfahrung und führt schlussendlich zur intuitiven der Situation angepassten Reaktion. 

Da man nie ausgelernt hat, bleibt auch hier nur der Weg das Ziel. Es gilt, seine Erfahrung und motorischen Fähigkeiten Schritt um Schritt zu erweitern und sich in angemessenem Tempo vorwärts zu bewegen, auf jedem Niveau. So ist der Gleitschirmsport einfach und sicher wie jede andere alltägliche sportliche Tätigkeit.

Hier eine Sammlung von eigenen, fremden und kombinierten „Weisheiten“, die helfen sollen ein dauerhaft sicherer Pilot zu werden. So widersprüchlich sie zum Teil auch sind …!

Viel Spass und Anregung wünscht
Michael Kobler

 

"Wenn dir das Fliegen so viel Spass macht, warum verhältst du dich dann nicht so, dass du noch möglichst oft und lange Fliegen kannst?"

"Wer exakt plant, irrt genauer!"
Gilt bei allen Outdoor Tätigkeiten.

"Merkwürdig: Der Mensch strebt nach Sicherheit und Geborgenheit. Er strebt aber auch nach Abenteuer und Risiko und dabei gilt: Je sicherer er sich fühlt, desto grössere Risiken geht er ein."
Felix von Cube

Wer maximales Risiko sucht ist dumm und bald tot. Wer maximale Sicherheit sucht, ist scheintot. Wir müssen das Risiko einkalkulieren, denn Risiko gehört zum Leben.

oder …

"Wer beim geringsten Zweifel umkehrt, fliegt nicht.
Wer trotz massiver Zweifel fliegt, ist ein Dummkopf.“

"Eine neue Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben."
Max Planck

"Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten, als ein Vorurteil."
Albert Einstein

"Eine gefasste Hypothese gibt uns Luchsaugen für alles sie Bestätigende und macht uns blind für alles ihr Widersprechende."
Arthur Schopenhauer

"Das einholen von Rat bei Einheimischen ist leider oft problematisch, da man selten die Erfahrung des Auskunftgebenden kennt, die Mehrheit ist meist unerfahren und so die Chance auf eine kompetente Auskunft klein. Dies auch beim besten Willen des Befragten.“
Es gilt immer: Auch Ratschläge von Lokalexperten ersetzen keinesfalls, die selbständige und eigenverantwortliche Beurteilung der Situation.

"Bis zu einem gewissen Grade habe ich mich immer von meinen Instinkten treiben lassen. Natürlich hat man die Aufgabe, so viele relevante Fakten und Prognosen zu sammeln wie nur irgendwie möglich. Aber an einem bestimmten Punkt muss man den Sprung ins Ungewisse wagen. Erstens deshalb, weil die richtige Entscheidung falsch ist, wenn sie zu spät getroffen wird. Und zweitens, weil es in den meisten Fällen so etwas wie Gewissheit gar nicht gibt."
Lee Iacocca, Managerlegende

Übrigens ein anderer Ausspruch von ihm, der leider oft zur Fachpresse aber vorallem zur Sensations-Presse passt:

„Wer keine Zeitung liest ist besser informiert als jemand der Zeitung liest.“

"Alle Unwissenheit ist gefährlich. Arroganz und Irrtümer müssen meist teuer bezahlt werden. Und der kann von Glück sagen, der bis zu seinem Tode einen Irrtum im Kopf herumträgt, ohne dafür bestraft zu werden."
Arthur Schopenhauer

Der Aversionsfaktor

Im Gegensatz zu Verkehrs- oder Skiunfällen haben Fliegerunfälle einen enormen Aversionsfaktor. Man könnte auch sagen "Empörungspotenzial". Gilt eine Gefahr als vertraut und beherrschbar, dann ist der Aversionsfaktor niedrig und das zugebilligte Risiko hoch, während ein Gleitschirm Unfall sensationell ist und bei den meisten Menschen keinerlei Akzeptanz geniesst.
Fliegen ist sensationell!

"Der Wetterbericht ist ein nützliches Hilfsmittel zur Flugplanung. Er ersetzt aber keinesfalls die selbständige und eigenverantwortliche Beurteilung der Situation am Start und während dem Flug."

Risiko kann vermindert werden, aber nie auf Null. Es verbleibt das Restrisiko. Es ist das vernachlässigbare aber trotzdem bestehende Risiko. Es ist ein Risiko das man auf ein Sicherheitsmass reduziert hat, dass man gewillt ist zu akzeptieren. Man kann es nur ins Verhältnis zu anderen Tätigkeiten des Lebens stellen mit ähnlichen Restrisiken, wie beim Auto-, Motorrad-, Velo- oder Skifahren, Tauchen, Schwimmen usw.

Für Ausbildende

„Umlernen ist schwieriger als neu lernen.“

Sehr wichtiger Punkt wenn es darum geht, wann geben wir welche Information an den Schüler weiter. Fehlinformationen aber vor allem auch Nachlässigkeiten (oft pure Faulheit, die Suche nach einfacheren bequemeren Wegen ohne zu wissen was man damit anrichtet!) seitens des Lernenden, rufen sofort teils zeitaufwendige Umwege herbei.

"Gesagt ist nicht gehört,
gehört ist nicht verstanden,
verstanden ist nicht einverstanden,
einverstanden ist nicht angewendet
angewendet ist nicht beibehalten."
Konrad Lorenz

Einteilung der Gefahren in drei Klassen:

  1. Akute Gefahr
    Leicht erkennbare Gefahr.
  2. Indizierte (angezeigte) Gefahr
    Meist sind gute und schlechte Anzeichen gemischt. Keine eindeutigen Alarmzeichen vorhanden jedoch sichtbare Anzeichen von naher oder zunehmender Gefahr.
  3. Latente (verborgene) Gefahr
    Unsichtbare Gefahren lauern meist, wenn die Luft sehr trocken ist und keine Indikatoren vorhanden sind. Keine Wolken, keine Vögel, kein Rauch und keine Fahne, keine anderen Piloten. Stichwort „Dummy“.

Überhöhte Risiken werden am ehesten in folgenden Situationen eingegangen:

  • nach Misserfolgen
  • in Wettbewerbssituationen
  • unter Spezialisten
  • unter autoritärer Führung (ohne Mitspracherecht der Beteiligten).

Schluss-ab-satz:

"Strategie ist mehr als Wissenschaft. Sie ist die Übertragung des Wissens auf das praktische Leben. Ist Fortbildung des ursprünglich leitenden Gedankens, entsprechend den stets sich ändernden Verhältnissen. Ist die Kunst des Handelns unter dem Druck schwieriger Bedingungen.
Für die Strategie können daher allgemeine Lehrsätze, aus ihnen abgeleitete Regeln und auf diese aufgebaute Systeme unmöglich einen praktischen Wert haben."
Moltke

Speziell der Flugsport ist – Strategie. Wir können nicht anhalten und uns die folgenden Schritte überlegen. Wir müssen unsere Entscheidungen dynamisch finden. Wir können uns durch gute Entscheidungen Zeit verschaffen um länger geniessen zu können oder höhere und auf Streckenflügen weitere Ziele zu erreichen.
Ein Streckenflug ist wie das Leben selbst: Ist man tief muss man kämpfen und oft alles geben um hoch zu kommen. Der grösste Spass ist der Aufwind den man nicht verlieren sollte bis an die Basis. Wer zu hoch dreht kommt nicht immer am weitesten. Ist man hoch, muss man sich dem Erhalt des Erreichten widmen. Übermut und zu viel Genuss führt nur all zu schnell wieder in die Ursprungssituation oder zwingt sogar zur Landung. MK 

 

 

Andere Weisheiten

"Schnell ist nicht sicher. Sicher ist nicht schnell.