Sicherheit beim Gleitschirmfliegen

Das Leben birgt Risiken - alles eine Verhältnisfrage

Gleitschirmfliegen ist bei den Versicherungen nicht als Risikosportarten eingestuft, sondern ganz normal wie Fussballspielen und Skifahren. Im Verhältnis betrachtet ist Motorradfahren zum Beispiel um einiges risikoreicher. Ein Vergleich der Unfallstatistiken ergibt ein 3 bis 4 mal höheres Risiko für den Motorradfahrer. Vorallem aber ist bei 70% der Motorradunfälle eine Fremdeinwirkung wie ein Auto oder Lastwagen (20%) involviert und die Verletzungen sind weit schwerer.

In wenigen Sportarten ist jedoch so viel Eigenverantwortung erforderlich wie beim Gleitschirmfliegen. Gerade weil das Fliegen mit dem Gleitschirm so einfach und praktisch von jedermann zu erlernen ist, sind Besonnenheit und Risikobewusstsein Grundvoraussetzungen für eine sichere Ausübung dieses Sports. Leichtsinn und Selbstüberschätzung können schnell in kritische Situationen führen. Besonders wichtig ist eine sichere Einschätzung des Flugwetters. In ruhigen Verhältnissen ist Gleitschirmfliegen einfacher als Radfahren und die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt unter 30 km/h, also so tief, dass auch grobe Fehler meist glimpflich ausgehen. Sobald aber wetterbedingte Turbulenzen auftreten, erhöht sich der Schwierigkeitsgrad. Um einen Flug in thermischen Bedingungen, mit Windeinfluss sicher durchführen zu können, bedarf es wie in vielen anderen Sportarten einer fundierten Ausbildung und Training.

Die Fluggeräte selbst sind außerordentlich sicher. Dem Laien erscheint die Konstruktion eines Gleitschirmes mit seinen dünn erscheinenden Leinen und dem leichten Segel filigran und wenig stabil. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Bei den Musterprüfungstests müssen alle Bauteile mindestens der 8-fachen Belastung des Normalfluges standhalten. Momentane Spitzenwerte gehen dabei oft bis 14G. Gegenüber den im Flugbetrieb maximal auftretenden Extrembelastungen besteht eine dreifache Sicherheitsmarge. Das ist mehr als die in der Luftfahrt übliche, doppelte Belastungsreserve. Unfälle durch Materialversagen sind bei korrekt gewarteten Gleitschirmen praktisch unbekannt.

Seit Mitte der Neunziger Jahre hat sich die Entwicklung neuer Gleitschirme sehr stark am wachsenden Sicherheitsbedürfnis der Piloten orientiert. Dies gilt auch für die Gurtzeuge und Rettungsfallschirme. Strenge Prüfvorschriften, die für alle Gleitschirme, Gurtzeuge und Rettungsfallschirme gelten, haben dafür gesorgt, dass Gleitschirmfliegen heute die sicherste Flugsportart ist. Das Flugverhalten eines Standardgleitschirms ist heute extrem sicher, stabil und fehlerverzeihend. Unfälle aufgrund von Störungen oder Extremflugzuständen, die durch Pilotenfehler oder starke Turbulenzen verursacht wurden, sind stark zurückgegangen. Geprüfte Rückenschutzsysteme in den Gurtzeugen haben zu einem deutlichen Rückgang der - früher häufigen - Wirbelverletzungen geführt. Moderne Rettungsfallschirme, Pflichtausrüstung bei allen Flügen, sorgen dafür, dass der Pilot im Falle einer extremen Notsituation sicher und im Normalfall verletzungsfrei auf dem Boden landet.

Wohl deshalb sind Gleitschirme die beliebtesten Luftsportgeräte geworden. Der Aeroclub der Schweiz zählt mit allen privaten Motorfliegern, Segelfliegern, Modellfliegern, Fallschirmspringern, Ballonfahrern und so weiter, weniger Mitglieder, als der Hängegleiterverband SHV.